Wo Hamburger und Gäste
aus aller Welt sich begegnen
Hamburg bekommt einen neuen Platz rund um den Michel: einen Platz, der Hamburger und Besucher aus aller Welt einlädt, am Hamburger Wahrzeichen zu verweilen.
Nach dem Vorbild eines Klostergartens entsteht eine begrünte Oase der Ruhe mitten im Lärm und Trubel der Großstadt Hamburg mit täglich bis zu 23.000 Fahrzeugen auf der Ludwig-Erhard-Straße. Der neue Kirchplatz bildet er einen spirituellen Kontrapunkt zur Kakophonie der Stadt und lässt erahnen, was Menschen seit Jahrhunderten in „ihrem“ Michel spüren: Geborgenheit, Schutz und Heimat.
Nach sieben Jahren Vorbereitung wird unsere Vision eines neuen Kirchplatzes – hoffentlich auch mit Ihrer Hilfe – nun endlich wahr.
Die Kircheninsel St. Michaelis
Ein Platz, der Menschen einlädt
und verbindet
Schon bei der Neugestaltung der im Zweiten Weltkrieg vollkommen zerstörten Umgebung des Michel in den 50er Jahren entwickelte der Architekt Gerhard Langmaack die Idee einer Kircheninsel mit Randbebauung, die die Hauptkirche vor dem Lärm der geplanten sechsspurigen Ost-West-Straße schützen sollte. Zum ersten Mal in der Geschichte des Michel entstand ein Platz rund um die Kirche, wie wir ihn heute kennen.
Vor dem Zweiten Weltkrieg verlief vor dem Michel eine große Straße mit mehreren Straßenbahnlinien und einem offenen Platz bis zum Rödingsmarkt. Der Michel stand mitten in der Hamburger Neustadt und war deren Mittelpunkt.
Der Bau der Ost-West-Straße und der zu erwartende Autoverkehr stellten Gerhard Langmaack vor der Herausforderung, den Michel vor dem Verkehrslärm zu schützen, die Verbindung zur Innenstadt offen zu halten und die Sichtbarkeit des Hamburger Wahrzeichens zu garantieren.

Grafik: LangmaarkDer Architekt nahm einen klassischen Klosterbau zum Vorbild und schuf rund um die Kirche einen geschützten Innenhof. Die Randbebauung mit einem neuen Gemeindehaus, zwei Pastoraten und einem Verwaltungstrakt sollte den Michel abschirmen. An der dem Platz zugewandten Seite der Gebäude, deren Türen sich alle zum Kirchplatz hin öffnen, baute er Arkadengänge, die einem Kreuzgang nachempfunden sind. Vor der großen Glasfront des Gemeindehauses plante er – einem Klostergarten ähnlich – einen Brunnen und Grünflächen als Treffpunkt für die Gemeinde. Das gesamte Ensemble aus Platz und Bauwerken der Kircheninsel wurde im Jahre 2013 unter Denkmalschutz gestellt. Der Brunnen wurde bisher nicht realisiert.
2019 haben wir mit den Planungen zur Weiterentwicklung von Langmaacks „Kircheninsel“ begonnen. Auf der südlichen Seite wurde 2022 in einem ehemaligen Pastorat ein modernes Besucherzentrum gebaut. Im Jahre 2026 folgte die denkmalgerechten Sanierung der 1912 von Oberbaudirektor Fritz Schumacher geplanten Treppe neben dem Besucherzentrum. Damit sind in absehbarer Zeit alle Projekte auf der Südseite des Kirchplatzes abgeschlossen.
Im Frühjahr 2027 beginnen wir mit der Neugestaltung des nördlichen Kirchplatzes. Vor dem Gemeindehaus soll nun ein Michel-Garten mit einem Brunnen unter Bäumen und mehreren Erinnerungsinseln entstehen.
Ein grüner Michel-Wall, an der von Langmaack belassenen Öffnung zur heutigen Ludwig-Erhard-Straße, wird den Verkehrslärm reduzieren und die Straße für die Kirchplatzbesucher in den Hintergrund treten lassen.
Um die Bedeutung des Michel als Barockkirche und Wahrzeichen der Stadt auch bei Dunkelheit zu betonen, werden Kirche, Turm und Kirchplatz zukünftig auf dezente Weise beleuchtet.
Der Michel-Garten
Im Schatten des Michel verweilen
Im Zentrum des Michel-Gartens wird fortan ein Brunnen stehen, der von dem Berliner Bildhauer Raphael Beil und den Landschaftsarchitekturbüro POLA – das Kürzel steht für POetische Landschaften – entworfen wurde. Für den Brunnen wurde aus einem norwegischen Steinbruch bei Larvik bereits ein vierzig Tonnen schwerer Granitstein gebrochen, der darauf wartet, bearbeitet zu werden.
Am Rand der gewölbten Brunnenschale befinden sich zwölf Öffnungen aus denen – in Anlehnung an die zwölf Stämme Israels und die zwölf Apostel – Ströme lebendigen Wassers fließen. Das Plätschern des Wassers setze einen Kontrapunkt zum Lärm des Verkehrs und schafft einen einladenden Ort der Ruhe , der zum Verweilen einlädt.
Foto: POLA
Foto: POLARund um den Brunnen entstehen drei Erinnerungsinseln, auf denen wir ein einzigartiges Stadtgedächtnis neu präsentieren: die Michel-Tafeln. Auf 222 Messingtafeln, die zurzeit noch unmittelbar an der Ludwig-Erhard-Straße liegen, haben Menschen in bisher 12.500 persönlichen Gravuren ihre Erinnerungen dem Michel anvertraut. Die Gravuren erzählen davon, was die Menschen bewegt und was sie am Michel gut aufgehoben wissen: Erinnerungen an Schlüsselmomente ihres Lebens und an geliebte Menschen; Liebesbezeugungen zu Hamburg und zu „ihrem“ Michel; Danksagungen für das eigene Leben oder für das Wirken prominenter Hamburger wie Helmut Schmidt, Jan Fedder oder John Neumeier. Seit 1994 gibt es diese Spendenaktion, die wir zusammen mit der Hamburger Sparkasse auch in den kommenden Jahren fortsetzen werden.
Foto: POLAZukünftig wird ein Teil der Michel-Tafeln unter neu gepflanzten Bäumen verlegt und mit Sitzmöglichkeiten rund um den Brunnen umgeben. Dieses neue Ensemble lädt Besucher zu einer Entdeckungsreise in die Erinnerungen der Hamburgerinnen und Hamburger ein.
In der Michel-Garten planen wir auch Veranstaltungen und Konzerte, zu denen die Gemeinde zusammenkommt, um zu feiern, Kultur zu genießen und Gemeinschaft zu erleben. Und wer weiß, vielleicht wird der Brunnen auch für die ein oder andere Taufe genutzt werden.
Der Michel-Wall
Eine neue Balance von Schutz und Öffnung
Foto: Michael Kutz
Foto: POLAUm die Verbindung des Michel zum Großneumarkt als städtischem Zentrum der Neustadt zu erhalten, hatte Gerhard Langmaack eine 40 Meter große Öffnung in der Randbebauung der Kircheninsel belassen. Das stellt uns vor die Herausforderung, eine neue Balance zwischen dem heute notwendigem stärkeren Schutz des Platzes gegen den Verkehrslärm und der Öffnung des Michel zur Stadt hinzufinden.
Diese neue Balance soll durch den Bau eines 85 Zentimeter hohen Michel-Walls gewährleistet werden, der zukünftig eine jetzt noch gepflasterte Fläche von rund 485 qm² umfasst, die mit einer Rasenfläche versehen und mit niedrigen Büschen und wenigen Bäumen bepflanzt werden wird.
Dadurch leistet St. Michaelis einen wichtigen Beitrag zur Entsiegelung von Flächen in der Stadt. Unter dieser Fläche entsteht eine Zisterne mit einem Fassungsvermögen von 86.000 Litern Regenwasser, das darin aufgefangen und für die Bewässerung der Grünanlagen gespeichert wird.
Die Zugänglichkeit zum Kirchplatz wird durch zwei breite Durchgänge links und rechts des Michel-Walls barrierefrei gewährleistet. Nach Norden bleibt die städtebauliche Sichtachse vom Michel zum Großneumarkt erhalten. Richtung Süden, also mit freiem Blick auf die Kirche, entsteht am Michel-Wall eine 21 Meter lange Bank.
Ein weiterer Teil der bisher nur an dieser Stelle verlegten Michel-Tafeln, findet auf der Mauerkrone des Michel-Walls seinen neuen Platz.
Leuchtturm Michel
Illumination von Turm und Kirche
Am Tage prägen der Michel und sein Turm das Stadtbild als markantes Wahrzeichen und Orientierungspunkt, nicht zuletzt durch die größte Turmuhr Deutschlands. Doch wenn es dunkel wird,
versinkt der Michel im Lichtermeer von beleuchteten Hochhäusern, Straßenlaternen und Leuchtreklame, denn Turm und Kirche sind kaum beleuchtet. Das neue Beleuchtungskonzept wird das ändern.
Foto: L-PLAN
Foto: L-PLANBei der Illumination von Turm und Kirche verzichten wir auf plakatives Anstrahlen. Vielmehr soll der Michel durch seine Fenster, Gauben und Balkone aus sich heraus nach außen leuchten und dadurch auch im Dunkeln anziehend wirken.
Kirche und Turm werden von außen durch eine Grundbeleuchtung aufgehellt, so dass alle Gebäudeteile zu erkennen sind. Das eigentliche Licht strahlt jedoch aus seinem Innenraum. Durch eine Akzentbeleuchtung zum Beispiel des Erzengels über dem Hauptportal, der goldenen Turmuhr oder der Kuppel des Turmes werden einzelne Teile des Bauwerks hervorgehoben. Auch der Kirchplatz selbst wird sich mit einer dezenten Beleuchtung in das Gesamtbild der Anstrahlung einfügen und ein sicheres Begehen des Kirchplatzes in der Dunkelheit ermöglichen.
Wichtige Vorgabe für alle Lichtplanungen war maximale Energieeffizienz. Für die Beleuchtung nutzen wir ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien.

Kosten und
Finanzierung
Das Projekt „Unser Platz am Michel“ hat ein Gesamtvolumen von 8 Mio. Euro.
Zuschüsse des Bundes decken Baukosten in Höhe von 3,5 Mio. Euro und stehen zum Abruf bereit.
Die Hauptkirche St. Michaelis trägt 2,1 Mio. Euro aus Eigenmitteln zur Baumaßnahme bei.
2,4 Mio. Euro sind noch ungedeckt und sollen als Spenden von der Stiftung St. Michaelis eingeworben werden.
Die nächsten Schritte
Die Entwurfsplanungen für das Gesamtprojekt sind abgeschlossen und alle erforderlichen Baugenehmigungen wurden erteilt.
Die Ausführungsplanungen und Ausschreibungen werden zurzeit vorbereitet und sollen im vierten Quartal 2026 abgeschlossen werden.
Die Bauarbeiten auf dem nördlichen Kirchplatz starten im Frühjahr 2027.
Die Dauer der Arbeiten schätzen unsere Planer auf ca. 15 Monate, so dass wir nach einer Winterpause von einer Fertigstellung des neuen Kirchplatzes im Sommer 2028 ausgehen.
Die Einweihung ist für den Michaelistag am 29. September 2028 geplant.